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Naturgetreue Gartengestaltung

Ein Garten, der Leben schenkt.

Laub, Totholz, heimische Sträucher, Wasser, ein Loch im Zaun. Fünf Dinge – und der Igel überlebt.

Hohes, ungemähtes Gras mit einem Trittsteinpfad, dahinter eine junge Eberesche, die herabhängenden Zweige einer Trauerweide und ein alter Brunnen im Naturgarten
Unser Naturgarten
in Feistritz
Sträucher als Deckung, ein Trittsteinpfad statt Rasenmäher.
Warum das lebensnotwendig ist

Der Garten ist für den Igel kein Hobby. Er ist sein Zuhause.

Wo früher Waldrand und Feldhecke waren, sind heute Gärten. Von ihnen hängt ab, ob ein Igel satt wird, ein Nest findet und den Winter übersteht.

„Naturgetreu“ heißt nicht „ungepflegt“. Rasen mit Thujenhecke ist eine Wüste mit Mauer drumherum.

75 % der Insekten verschwunden
3 km Wanderstrecke pro Nacht
10 cm Durchgang genügt im Zaun
Worum es im Kern geht

Fünf Dinge, die ein Igel zum Überleben braucht

Unsere Tafel zum Mitnehmen – tippe darauf, um sie in voller Größe zu lesen.
Kleine Maßnahmen – große Wirkung

Vielfalt beginnt vor der Haustür

Bauerngarten, Teich, Nutzgarten – oder ein Balkon mit vier Töpfen. Jeder Quadratmeter zählt.

Auch ohne Garten geht es: Tippe auf die Tafel, um alle Beispiele in voller Größe zu sehen.
Aus unserem Garten in Feistritz

Der Igel sagt es selbst

Vier Ecken – und was ein Igel dazu sagen würde.

Naturnaher Garten mit hohem, ungemähtem Gras, junger Eberesche und Trauerweide
„Ich bin ein Insektenfresser: Käfer und Larven! Ca 80 % meiner Nahrung ist ausgerottet, deshalb leide ich immer Hunger!“ Nahrung. Hohes Gras ist kein Versäumnis, sondern die Speisekammer.
Großer Haufen aus Herbstlaub unter einer Hecke am Zaun, ringsum Efeu und Gras
„Ich brauche Blätter für mein Nest!“ Quartier. Im Oktober aufgeschichtet – und seither nicht mehr angefasst.
Wilde Gartenecke mit hohlen Baumstämmen, Totholz, Efeu und Rindenmulch im Schatten von Sträuchern
„Lass mir eine wilde Gartenecke, damit ich mich verstecken kann!“ Deckung. Hohler Stamm, Totholz, Efeu darüber. Wird nie aufgeräumt.
Blühender Naturgarten mit Hortensien, Rosenbögen und Blick über das Drautal auf die Berge
„Ich bin ein Kulturfolger und lebe in deinem Garten unter Büschen und Hecken!“ Lebensraum. Gepflegt und trotzdem voller Verstecke.
Zum Nachbauen

Die Bausteine eines naturgetreuen Gartens

Acht Elemente – mehr ist immer besser als weniger.

Großer Haufen aus Herbstlaub unter einer Hecke am Zaun, ringsum Efeu und Gras ca. 1,5 m breit · 60 cm hoch

Laubhaufen

Winterquartier und Speisekammer in einem.

  • Schattige Ecke wählen, die niemand betritt
  • Locker aufschichten, mit Ästen beschweren
  • Ab Oktober fertig – und dann dauerhaft liegen lassen

Ein Laubhaufen ist kein Abfall. Er ist ein Schlafzimmer.

Locker geschichteter Reisighaufen aus Ästen und trockenem Laub unter einer dichten Hecke, daneben Farne und Grünpflanzen locker geschichtet · nie umschichten

Reisighaufen & Totholzhecke

Deckung bei Tag, Kinderstube im Sommer.

  • Schnittgut nicht häckseln, sondern locker einschichten
  • Totholzhecke (Benjeshecke): zwei Pfostenreihen, 60–80 cm Abstand, Äste dazwischen
  • Unten grobe Äste, oben feines Material

Sie wird mit der Zeit lebendig: Vögel bringen Samen, und nach und nach wächst aus dem Totholz eine echte Hecke. Nur oben nachfüttern. Umschichten oder neu aufbauen: niemals.

Aus flachen Natursteinen ohne Mörtel aufgeschichtete Trockensteinmauer mit offenen Fugen, oben ein Totholzstamm ohne Mörtel · mit Hohlräumen

Steinhaufen & Trockensteinmauer

Wärmespeicher und Versteck – auch für Eidechsen und Kröten.

  • Natursteine ohne Mörtel setzen, Fugen offen lassen
  • Unten Schotter oder Sand: das gibt frostfreie Hohlräume
  • Sonnige Stelle wählen, Totholz daneben legen
Totholzhecke aus dicht geschichteten Ästen zwischen Holzpfosten, davor eine blühende Duftnessel in der Wiese 2–3 Sträucher pro laufenden Meter

Wildhecke statt Zaun

Statt Thuje und Kirschlorbeer: Nahrung, Deckung und Nistplatz.

  • Nur heimische Sträucher – keine exotischen Ziergehölze
  • Pflanzzeit ist der Herbst oder das frostfreie Frühjahr
  • Arten mischen, Unterwuchs zulassen

Schnitt gar nicht! Eine Wildhecke darf wachsen. Im Bild eine Totholzhecke: aus ihr wird mit den Jahren genau so eine Hecke.

Fertig bepflanzte Kräuterspirale aus Steinen mit jungen Kräutern, dahinter ein langer Totholzstapel auf der Wiese 2 × mähen statt 12 × mähen

Blühwiese, Stauden, Kräuterspirale

Winterquartiere für Insekten – und Insekten sind das, was ein Igel frisst.

  • Altgrasstreifen stehen lassen: darin überwintern die Insekten
  • Stauden im Herbst nicht schneiden: hohle Stängel sind Winterquartiere

Kein Rindenmulch-Teppich, kein Schotterbeet, kein Torf.

Igel frisst aus einer schweren, hellen Keramikschale mit breitem Rand flach · schwer · im Schatten

Wasser- und Futterstelle

Das billigste Element mit der größten Wirkung.

  • Flache Schale aus Keramik oder Ton – schwer genug, dass sie nicht umkippt
  • Wasser täglich wechseln, ganzjährig anbieten
  • Keine Reste, keine Küchenabfälle

Im Bild eine schwere Keramikschale: genau so eine bleibt stehen, auch wenn ein Igel beim Fressen dagegen drückt. Eine leichte Plastikschale schiebt er weg und kippt sie um.

Geöffnetes hölzernes Schlafhaus mit drei zusammengerollten Igeln im Stroh, es steht im Schatten zwischen grünen Pflanzen schattig · trocken · unter Sträuchern

Igelhaus richtig aufstellen

Ein Haus ersetzt kein Laub, hilft aber, wo Material fehlt.

  • Unbehandeltes Naturholz, Eingang weg von der Wetterseite
  • Mit Laub und Stroh einstreuen – kein Heu, das schimmelt

Im Winter nicht öffnen. Häuser aus unserer Werkstatt gibt es im Shop.

Unterschlupf aus alten Dachziegeln und Totholz an einer Mauer, davor blühender Fingerhut aus Material, das da ist

Wilde Ecke & improvisierte Verstecke

Der Teil des Gartens, in dem du bewusst nichts tust.

  • Alte Dachziegel, umgedrehter Obstkorb, Brett an der Mauer: fertig
  • Eine Ecke dauerhaft aus der Pflege nehmen
  • Offener Kompost statt Tonne – beim Umsetzen vorher nachsehen
Der vergessene Baustein

Die Igelpforte: 10 × 10 cm, die alles verändern

Zäune mit Betonsockel machen aus jedem Garten eine Insel. Die Lösung kostet zehn Minuten.

Skizze einer Igelpforte im Gartenzaun Ein Gartenzaun mit Betonsockel, in dem unten eine quadratische Öffnung von zehn mal zehn Zentimetern freigelassen ist. Ein Igel läuft hindurch. 10 cm 10 cm
Totholzhecke aus dicht geschichteten Ästen zwischen Holzpfosten, davor blühende Minze und ein handbemaltes Schild mit der Aufschrift Igelpforte
So sieht es fertig aus: eine Totholzhecke mit Durchgang – und einem handbemalten Schild „Igelpforte“.
  1. Stelle finden Dort, wo nebenan Wiese, Hecke oder Beet liegt – nicht zur Straße hin.
  2. 10 × 10 cm freimachen Maschendraht aufbiegen, Latte kürzen, im Sockel einen Stein auslassen.
  3. Mit den Nachbarn reden Erst mehrere verbundene Gärten ergeben ein Revier.
  4. Frei halten und Kanten prüfen Keine scharfen Drahtenden – und zweimal im Jahr nachsehen.

Gut zu wissen

Nicht kleiner als 10 cm – ein gut genährter Igel im Herbst braucht Platz. Bei 10 bis 12 cm bleiben Hund und Katze draußen.

Was uns die Patienten bringt

Die Gefahren, die wir jede Saison sehen

Fast alle Verletzungen, die wir behandeln, entstehen im Garten – und wären vermeidbar.

Lehrtafel „Erina in Not!“ in einem Holzrahmen am Lehrpfad: eine dunkle Tafel mit Fotos von Igeln und Erklärtexten, dahinter eine große Fichte
Unsere Tafel „Erina in Not!“ am Lehrpfad – sie zeigt genau diese Gefahren.
  • Mähroboter – Igel fliehen nicht, sie rollen sich ein

    Besser: nachts und in der Dämmerung aus

  • Motorsense & Freischneider – im hohen Gras liegen Nester

    Besser: vorher absuchen, Ränder stehen lassen

  • Gift & Schneckenkorn – tötet die Beute und den Igel

    Besser: weglassen, Igel und Vögel regeln Schnecken selbst

  • Netze & Schnüre – verfangen sich in den Stacheln

    Besser: mindestens 30 cm über dem Boden spannen

  • Schächte & Gruben – Fallen ohne Ausweg

    Besser: abdecken oder ein Brett als Rampe hineinlegen

  • Teich & Pool – Igel schwimmen, kommen aber nicht heraus

    Besser: flaches Ufer, Steinstufe oder Ausstiegsbrett

  • Feuer & Laubverbrennen – im Haufen schläft vielleicht ein Igel

    Besser: Haufen liegen lassen, nicht anzünden

  • Dauerlicht in der Nacht – kostet die Insekten, also das Futter

    Besser: warmweiß, nach unten gerichtet, Bewegungsmelder

Der richtige Zeitpunkt

Das Igel-Gartenjahr

Dieselbe Arbeit kann im März lebensrettend und im November tödlich sein.

Helferinnen und Helfer bepflanzen im Frühling eine neu gebaute Kräuterspirale aus Steinen, dahinter ein Totholzstapel

Frühling

März – Mai
  • Wasserschale rausstellen – die Tiere erwachen ausgehungert
  • Laubhaufen und Reisighaufen bleiben liegen – auch jetzt nicht anfassen
  • Gehölzschnitt: gar nicht. Ab März wird gebrütet und genistet
  • Pflanzzeit für heimische Sträucher, Stauden und Kräuter
Symbolbild: Ein Igel sitzt im hohen Gras einer Wiese

Sommer

Juni – August
  • Wurfnester sind versteckt! Aber Igel schlafen im Sommer im hohen Gras
  • Vor jedem Mähen die Fläche zu Fuß absuchen
  • Mähroboter nachts abschalten
  • Ab Juli sind Igelkinder unterwegs: Netze, Gruben, Pools prüfen
Symbolbild: Ein Igel sucht zwischen Gras und Herbstlaub nach Futter

Herbst

September – November
  • Laub liegen lassen oder zu Haufen rechen – nicht absaugen
  • Stauden stehen lassen, kein Feuer im Garten
  • Kleine oder tagaktive Jungigel bitte melden
Symbolbild: Ein Igel läuft am helllichten Tag über einen Schotterweg

Winter

Dezember – Februar
  • Ein Igel, der im Winter herumläuft: gleich einfangen und in die Igelstation bringen!
  • Absolute Ruhe: Haufen, Hecken und Igelhäuser bleiben unberührt
  • Schnee liegen lassen – er isoliert
  • Keine Bodenarbeiten, kein Vertikutieren, keine Rodung
Gut gemeint, leider falsch

Die sieben häufigsten Irrtümer

Diese Sätze hören wir fast jede Woche – von Menschen, die helfen wollten.

„Ein Schälchen Milch freut den Igel.“

Igel verträgt keinen Milchzucker: Milch macht schweren Durchfall. Richtig: nur Wasser, ganzjährig.

„Igel fressen Schnecken und Regenwürmer.“

Notfalls ja – und holen sich Parasiten. Richtig: Käfer, Larven, Insekten aus dem naturnahen Garten.

„Mein Mähroboter erkennt Tiere.“

Die Sensoren sind für Hindernisse gebaut, nicht für ein eingerolltes Tier. Richtig: nachts abschalten.

„Laub muss aus dem Garten, sonst schimmelt der Rasen.“

Laub ist Baumaterial, Dämmung und Insektenlebensraum. Richtig: Laub in Beete und Haufen, nur Wege frei räumen.

„Im Winter schaue ich lieber nach, ob es dem Igel gut geht.“

Jede Störung kostet Energie, die der Igel nicht ersetzen kann. Richtig: Quartier zu lassen.

„Mein Garten ist zu klein, das bringt nichts.“

Ein Laubhaufen braucht zwei Quadratmeter. Richtig: klein anfangen – und den Nachbargarten dazuholen.

„Naturgarten heißt, alles verwildern zu lassen.“

Wege, Sitzplätze und gemähte Flächen sind erlaubt. Richtig: eine wilde Zone, die dauerhaft in Ruhe bleibt.

Zum Schluss: Zeit arbeitet für dich

Eine Totholzhecke wird mit der Zeit lebendig

Aufschichten, liegen lassen, warten. Den schönsten Teil der Arbeit übernehmen die Vögel.

Aus dem Asthaufen wird von selbst eine Hecke – tippe auf die Tafel, um sie in voller Größe zu lesen.