🦔 🐛
Kapitel 1 · Wissen

Den Igel kennenlernen.

Je mehr du über Igel weißt, desto besser kannst du ihnen im Alltag helfen. Das Wichtigste über den stacheligen Nachbarn – kompakt und auf einen Blick.

Wer ist das eigentlich?

Steckbrief: Erinaceus europaeus

Der Braunbrustigel – die Igelart, die bei uns im Drautal zu Hause ist. Eine von zwei heimischen Igelarten in Österreich – und streng geschützt. Zum Vergleich mit dem Weißbrustigel

Ein Braunbrustigel steht am Fuß eines bemoosten Baumstamms im Laub des Waldbodens Braunbrustigel streng geschützt
Größe
22 – 30 cm
Gewicht
600 – 1.500 g (gesund im Herbst)
Lebensraum
Gärten, Hecken, Waldränder, Streuobstwiesen
Nahrung
Käfer, Larven und Insekten – niemals Milch, Obst, Nüsse, Getreide, Würmer oder Schnecken!
Aktivität
Dämmerungs- und nachtaktiv
Winterschlaf
ca. November bis März/April
Lebenserwartung
2 – 5 Jahre (in Pflege bis 8)
Stacheln
6.000 – 8.000 Stück
Pro Nacht
bis zu 3 km auf Wanderung
Zwei Arten, ein Nachbar

Braunbrustigel oder Weißbrustigel?

In Österreich leben zwei Igelarten der Gattung Erinaceus. Sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich – der sicherste Blick ist der auf die Brustmitte.

BraunbrustigelErinaceus europaeus

Westen und Süden Österreichs – bei uns im Drautal der Igel, den wir in Pflege bekommen.

Brust dunkel
  • Brustmitte dunkelbraun bis graubraun
  • Kopfoberseite meist mit keilförmigem, dunklem Fleck
  • Zwischen Auge und Nase eine V-förmige dunkle Zeichnung
  • Stacheln hell-dunkel gebändert, Spitze meist dunkel
  • Kommt bis etwa 1.200 m Höhe vor

WeißbrustigelErinaceus roumanicus

Osten Österreichs – von Südost- und Osteuropa her eingewandert. Auch „Nördlicher Weißbrustigel“.

Brust weiß
  • Brustmitte weiß und deutlich abgesetzt
  • Kopfoberseite einheitlich dunkel oder mit hellem Fleck
  • Stacheln meist mit drei dunklen und drei hellen Binden
  • Etwas kleinere Ohren und weniger Stacheln als der Braunbrustigel
  • Kommt bis etwa 1.400 m Höhe vor
Die Unterschiede im Detail
Merkmal Braunbrustigel Weißbrustigel
Brustmittedunkelbraun bis graubraun, durchgehend gefärbtleuchtend weißer Fleck mitten auf der Brust
Stachelmusterhell-dunkel gebändert, Spitze meist dunkelmeist genau drei dunkle und drei helle Bänder
Kopf-Rumpf-Länge155 – 300 mm (15,5 – 30 cm)170 – 280 mm (17 – 28 cm)
Gewicht450 – 1.400 g240 – 1.200 g
Ohrlänge20 – 37 mm20 – 25 mm
Schwanz10 – 49 mm15 – 40 mm
Stachelnca. 8.000 – 8.700ca. 6.400 – 6.700
Höhenverbreitungbis ca. 1.200 mbis ca. 1.400 m
Verbreitung in ÖsterreichWesten und SüdenOsten
Verbreitung in EuropaWest- und Mitteleuropa (z. B. Deutschland, Schweiz, Westösterreich)Osteuropa und Balkan (z. B. Ostösterreich, Polen, Ungarn)

In Österreich treffen sich beide Arten

In Deutschland und der Schweiz lebt in freier Wildbahn nur der Braunbrustigel – dort auch „Westigel“ genannt. Quer durch Österreich verläuft dagegen eine rund 200 Kilometer breite Überlappungszone: Hier leben beide Arten nebeneinander. Genau deshalb lohnt bei uns der genaue Blick auf die Brust – der weiße Fleck ist im Freien das einzige wirklich verlässliche Merkmal.

Für die Hilfe macht es keinen Unterschied

Lebensraum, Nahrung, Winterschlaf und Verhalten sind bei beiden Arten praktisch gleich – und beide sind streng geschützt. Wer einen hilflosen Igel findet, handelt also immer nach derselben Anleitung, egal welche Art es ist.

Merkmalsdaten nach kleinsaeuger.at (Kleinsäuger Österreichs), ergänzt um Stachelmuster, europäische Verbreitung und Überlappungszone

In Zahlen

Der Igel – ein kleines Wunder

8.000Stacheln max.
3 kmpro Nacht
5 °CKörpertemp. im Winterschlaf
8/minHerzschlag (Winter)
10×10cm Zaun-Durchgang
Wie lebt der Igel?

Drei Lebensbereiche

Damit der Igel überleben kann, braucht er drei Dinge: einen Lebensraum, Bewegungsfreiheit – und Ruhe.

01

Der Garten als Zuhause

Igel brauchen verwilderte Ecken, Laubhaufen, dichte Hecken und Zugang zwischen Grundstücken – mind. 10 × 10 cm Durchlass im Zaun. Garten naturgetreu gestalten

02

Einzelgänger mit Revier

Igel leben allein und wandern bis zu 3 km pro Nacht auf Nahrungssuche. Nur zur Paarungszeit treffen sich Männchen und Weibchen.

03

Winterschlaf-Profis

Körpertemperatur sinkt auf 5 °C, Herzschlag auf 8 Schläge/Minute. Störungen kosten Energie und können tödlich sein.

Ernährung

Was frisst ein Igel wirklich?

Falsches Futter ist eine der häufigsten Ursachen, warum Igel krank werden. Besonders der Mythos „Milch“ ist lebensgefährlich.

Das mag der Igel

  • Käfer, Larven, Raupen, Spinnen
  • Tausendfüßler und andere Insekten
  • Hochwertiges Katzennassfutter (Geflügel, ohne Soße)
  • Geeignetes Katzentrockenfutter nur gezielt und nach Rücksprache
  • Gekochtes, ungewürztes Rührei
  • Frisches Wasser – täglich neu!

Auf keinen Fall

  • Milch – verursacht Durchfall, lebensgefährlich
  • Obst, Nüsse, Getreide, Gemüse, Brot
  • Würmer und Schnecken – übertragen gefährliche Parasiten
  • Rohes Fleisch, gewürzte Speisen
  • Mehlwürmer (Kalziumräuber)
  • Ungeeignetes Trockenfutter mit Getreide, Zucker oder wenig Fleisch
„Wenn du unsicher bist, was du füttern darfst –
ruf einfach an. Ich beiß' nicht.“ 🦔
Soforterkennung

Gesund oder krank?

Diese Merkmale helfen dir in Sekunden zu unterscheiden, ob der Igel Hilfe braucht.

Gesund

  • ✓ Nachtaktiv (ab Dämmerung)
  • ✓ Birnenförmiger Körper
  • ✓ Volles Stachelkleid
  • ✓ Klare Augen, kein Sekret
  • ✓ Kann sich problemlos einkugeln
  • ✓ Läuft gerade, gesunder Appetit
⚡

Krank · Sofort handeln

  • ✗ Tagaktiv (Alarmzeichen!)
  • ✗ Körper schlauchförmig
  • ✗ Hungerknick hinter dem Kopf
  • ✗ Trübe Augen, schleimiges Sekret
  • ✗ Wackeliger Gang, Seitenlage
  • ✗ Atemgeräusche, Parasitenbefall
Die Merkmale im Bild: Hungerknick hinter dem Kopf, eingefallene Flanken und ein schlauchförmiger Körper sprechen für einen kranken Igel – ein gesunder ist birnenförmig, hat volles Stachelkleid und klare Augen. Grafik: Igelhilfe – Igel & Co.
→ Im Verdachtsfall: Notfall-Seite öffnen
♂ ♀ Geschlecht erkennen

Bub oder Dame?

Wichtig vor allem bei Findelkindern – damit Geschwister nicht voneinander getrennt werden.

  • Weibchen: Geschlechtsöffnung nah am After, kein „Knopf“ in der Bauchmitte. ♀
  • Männchen: Sichtbarer Penis in Bauchmitte (wie ein kleiner „Bauchnabel“), weiter entfernt vom After. ♂
Notfall

Igel-Baby gefunden?

Augen geschlossen = sofortiger Notfall. Ohne Mutter wird das Baby binnen Stunden kritisch. Bitte nicht selbst probieren zu füttern – jede Minute zählt.

! Warum es zählt

Das Kartenhaus der Arten

Wenn Arten verschwinden, wackelt das ganze System – denn Böden und Klima hängen von funktionierenden Ökosystemen ab. Jede verlorene Art zieht eine weitere Karte aus dem Kartenhaus.

Der Igel ist nicht nur ein süßes Wildtier – er ist ein Indikator. Verschwindet er, gerät unsere gemeinsame Lebensgrundlage ins Wanken.
Wie bei einem Kartenhaus hängt im Ökosystem alles zusammen.
Naturnahe Gärten mit heimischen Pflanzen, Wasserstellen und Verstecken schaffen wieder Raum für Vielfalt.

Auf dem Lehrpfad erlebst du das alles vor Ort.

11 Stationen, jede mit einer Tafel zum Mitnehmen-Wissen. Klick rein – oder komm direkt vorbei.

Zum Lehrpfad →