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Kapitel 3 · Gerettet

Echte Rettungsgeschichten.

Jeder Igel, der bei mir ankommt, hat eine Geschichte. Hier erzähle ich sie – ehrlich, auch wenn sie nicht immer gut ausgeht.

Aktueller Fall

Der Igel vom Friedhof

Manche Geschichten fangen damit an, dass jemand hinschaut. Diese hier ist eine davon.

Symbolbild: Ein Igel sucht zwischen Gras und Herbstlaub nach Futter – genau dort, wo Motorsensen zur Gefahr werden
Symbolbild – die Bilder der Verletzung zeigen wir hier bewusst nicht.
Schnittverletzung Fadentrimmer / Motorsense In Behandlung

„Niemand nimmt ihn wahr.“

gefunden am Trauner Friedhof

Ein Igel schleppt sich blutverschmiert am Weg des Trauner Friedhofs entlang. Viele Menschen. Sogar auf der Parkbank gegenüber. Niemand nimmt ihn wahr. Oder will ihn nicht wahrnehmen.

Ein Pärchen kommt vorbei und handelt sofort. Igel geschnappt und eingepackt. Hilfe per Telefon gesucht und bei mir gefunden.

Eine typische Schnittverletzung von Fadentrimmer, Motorsense, …
Die Wunden voller wuselnder Maden. Dicke, fette Maden. Tiefe Wundtaschen. Muskeln freigelegt.

Ob er es schafft? Keine Ahnung. Wir kämpfen gemeinsam.

📌

Sensibler Inhalt: Die Wunde ist hier bereits versorgt und gereinigt.

Was du daraus mitnehmen kannst

  • Vor dem Mähen nachsehen. Fadentrimmer und Motorsense verursachen genau diese Verletzungen – Igel rollen sich bei Gefahr ein und laufen nicht weg.
  • Hohes Gras und Gebüsch zuerst abgehen, besonders in der Dämmerung und am Morgen.
  • Hinschauen statt weitergehen. Ein verletzter Igel am helllichten Tag ist immer ein Notfall.
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Geteilte Geschichte

Gekommen, um zu gehen

Nicht jede Geschichte hier ist meine eigene. Diese hat eine befreundete Igelstation geteilt – und sie gehört auf diese Seite, weil sie zeigt, wie viel ein einziger Tag entscheiden kann.

Ein stark abgemagerter Igel liegt kraftlos auf einem weichen Handtuch in der Pflegestelle
Bei der Ankunft: nur 600 g und eine flache, unregelmäßige Atmung.
Zu spät Fliegeneier Untergewicht

„Es war einfach zu spät.“

angekommen am Abend – gegangen in der Nacht

Dieser Igel kam abends in die Pflegestelle und ist in derselben Nacht gestorben. Nur 600 g auf der Waage, das Fell voller Fliegeneier, die Atmung flach und unregelmäßig. Für eine Behandlung blieb keine Zeit mehr.

Fliegeneier sehen harmlos aus – wie winzige gelblich-weiße Reiskörner in Stacheln, Fell, Wunden, Nase oder Ohren. Aus ihnen schlüpfen innerhalb weniger Stunden Maden. Ein Igel, an dem Fliegeneier kleben, ist immer ein Notfall, bei dem nicht Tage, sondern Stunden zählen.

Ruhe in Frieden, kleine Maus.

Warum wir diese Geschichte zeigen

  • Fliegeneier heißen: sofort. Nicht bis morgen warten, nicht erst beobachten – noch am selben Tag Hilfe holen.
  • Nicht selbst behandeln. Kein Bad, kein Absammeln, kein Hausmittel. Der Igel gehört warm und trocken in eine Box und dann in fachkundige Hände.
  • Ein Igel, der tagsüber flach daliegt und sich nicht einrollt, ist schwer krank – unabhängig von Jahreszeit und Gewicht.
  • Auch ein „später“ Igel verdient den Versuch. Manche schaffen es nicht. Zu spät gekommen ist trotzdem besser als weitergegangen.
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Der Igel Leo frisst an einem geschützten Futterplatz aus einer flachen Schale, daneben steht eine Schale mit Wasser

Leo am Futterplatz

Viele Igel sind unterwegs und brauchen dringend Futter und Wasser. Ein geschützter Futterplatz mit einer flachen Schale und täglich frischem Wasser – niemals Milch – hilft mehr, als man denkt.

Beispielbild „Leo“ · geteilt von Igelherz

Fallbericht · 27. August 2026

Sugar – 238 Gramm und ein Bein zu wenig

Manche Igel kommen so an, dass man erst einmal tief durchatmen muss. Und dann trotzdem anfängt.

Der Igel Sugar liegt zusammengerollt und schlafend in einem weichen violetten Handtuch auf einer Hand
Nach dem Eingriff: warm eingewickelt, versorgt – und endlich in Ruhe.
Amputation 238 g In Pflege

„Ausgemergelt, halb verdurstet.“

angekommen am Abend des 26. August 2026

Sugar kommt am Abend an. 238 Gramm auf der Waage – für Ende August viel zu wenig. Ausgemergelt, halb verdurstet. Und dann das, was man auf den ersten Blick sieht: das Beinchen hinten links fast zur Gänze abgetrennt.

Was genau passiert ist, weiß niemand – der Bericht nennt keine Ursache. So eine Verletzung kann von einem Mähgerät kommen, von einer Schnur, einem Netz, einer Falle. Für Sugar änderte das nichts: Das Beinchen wurde umgehend amputiert.

Jetzt hat Sugar die Chance auf ein gutes Leben.

📌

Sensibler Inhalt: Das Foto der Verletzung zeigen wir nur auf Klick – du entscheidest, ob du es sehen möchtest.

Foto der Verletzung ansehen
Sugar wird auf einem Handtuch gehalten, das schwer verletzte linke Hinterbein ist deutlich zu sehen
Das linke Hinterbein vor dem Eingriff. Genau solche Verletzungen sind der Grund, warum ein Igel am helllichten Tag nie einfach „nur unterwegs“ ist.

Was du daraus mitnehmen kannst

  • 238 g im August sind viel zu wenig. Ein so leichter Igel, der tagsüber unterwegs ist, ist immer ein Notfall – nicht erst im Herbst.
  • Halb verdurstet heißt: Wasser. Eine flache Schale Wasser, sonst nichts. Niemals Milch – die führt zu tödlichem Durchfall.
  • Wunden nicht selbst versorgen. Kein Bad, keine Salbe, kein Verband. Warm, dunkel und ruhig in eine Box – und dann sofort in tierärztliche Hände.
  • Ein fehlendes Bein ist kein Todesurteil. Ob ein Igel wieder ausgewildert werden kann oder in Dauerpflege bleibt, entscheiden Tierärztin und Pflegestelle gemeinsam.
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Geteilte Geschichte · 21. August

Sechs Babys unter der Gartenhütte

Diese Geschichte geht gut aus. Sie steht hier trotzdem – weil sie zeigt, wie schnell aus einem ganz normalen Aufräumtag im Garten ein Notfall wird.

Eine Igelmutter liegt in einer Holzbox eng zusammengerollt mit ihren Jungen, die bei ihr trinken
Wieder zusammen: die Igelmama mit ihren Jungen in der Pflegebox.
Wieder vereint 6 Babys Nest zerstört

„Wir haben die Mutter!“

abends gefunden – am nächsten Morgen wieder vereint

Am Abend ein Anruf: In der Nachbarschaft wurde eine Gartenhütte entfernt. Darunter lag ein Igelnest mit sechs Babys. Von der Mutter keine Spur.

Daniela nimmt die Kleinen erst einmal auf und versorgt und füttert sie – mit Hilfe von Peter Igel und Chrissi Stübinger. Und die Nachbarn bekommen eine Aufgabe: ein Auge darauf haben, ob die Igelmama zurückkommt.

Am nächsten Morgen dann der erlösende Anruf. Die Mutter ist da. Sechs Igelbabys, die schon als Waisen galten, wachsen jetzt bei ihr auf – das Beste, was ihnen passieren konnte.

Heute früh dann der erlösende Anruf: wir haben die Mutter!

Warum wir diese Geschichte zeigen

  • Vor dem Abreißen nachsehen. Unter Gartenhütten, Holzstapeln, Reisighaufen und Komposthügeln liegen von April bis September Igelnester.
  • Ein intaktes Nest bleibt liegen. Nicht anfassen, nicht umsetzen, nicht „in Sicherheit bringen“ – die Mutter nimmt die Jungen danach oft nicht mehr an.
  • Ist das Nest zerstört, zählt Wärme. Igelbabys kühlen innerhalb kürzester Zeit aus. Warme Box, Wärmflasche im Handtuch – und sofort Hilfe holen.
  • Nie Kuhmilch. Igelbabys brauchen spezielle Aufzuchtmilch in kurzen Abständen. Das gehört in geschulte Hände, nicht in die Küche.
  • Weiter nach der Mutter schauen. Auch wenn die Kleinen schon versorgt sind: Aufwachsen bei der eigenen Mama schlägt jede Pflegestelle.
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Igelmutter und ihre Jungen liegen dicht aneinander auf einer Zellstoffunterlage in einer Holzbox

Sechs auf einmal

So sieht ein Igelwurf aus, wenn er gerade noch einmal gut gegangen ist. Sechs Junge sind für eine Igelmutter nichts Ungewöhnliches – und genau deshalb lohnt der Blick unter jede Hütte, bevor der Bagger kommt.

Geteilter Beitrag · Peter Igel

Aufgeschichtete Totholzhecke zwischen Holzpfosten im Garten, davor blühende Duftnessel und am Fuß eine handbemalte grüne Tafel mit der Aufschrift Igelpforte

Ein Quartier, das bleibt

Eine Totholzhecke mit einer kleinen Igelpforte am Fuß ist das Gegenteil einer Gartenhütte: Sie wird nicht abgerissen, sie darf einfach liegen bleiben. Äste aufschichten, Laub dazwischen lassen, in Ruhe lassen – mehr braucht es nicht.

Geteiltes Bild · Urheber nicht bekannt

Geteilte Geschichte · 6. September 2026

Zimt, Zucker, Salz, Pfeffer, Kümmel und Oregano

Sechs Igelbabys mit Gewürznamen – und eine Geschichte darüber, dass die Arbeit auch dann weitergeht, wenn man gerade einen Igel verloren hat.

Sechs junge Igel liegen eng aneinandergerollt in einem weichen weißen Handtuch in der Pflegestelle
Sechs auf einem Handtuch: zwei Mädels und vier Jungs, 99 bis 119 Gramm bei der Ankunft.
6 Waisen 99–119 g Mutter blieb weg

„Es musste weitergehen.“

tagelang im Garten beobachtet – dann in die Pflegestelle gebracht

Kurz zuvor hatte Peter Igel einen Igel namens Hero verloren – trotz aller Bemühungen. Zeit zum Innehalten blieb keine: Die nächsten sechs brauchten Hilfe.

Zimt, Zucker, Salz, Pfeffer, Kümmel und Oregano wurden immer wieder alleine und zwitschernd längere Zeit im Garten beobachtet. Ein zwitscherndes Igelbaby ruft nach seiner Mutter – wer das hört, hört einen Notruf.

Erst als klar war, dass die Mutter nicht mehr zurückkommt, wurden die Kleinen gebracht. Zwei Mädels und vier Jungs, bei der Ankunft zwischen 99 und 119 Gramm – viel zu leicht, um allein durch einen September zu kommen.

Es musste weitergehen, denn die nächsten Babys brauchten Hilfe.

Warum wir diese Geschichte zeigen

  • Zwitschern ist ein Alarmsignal. Igelbabys, die tagsüber alleine umherlaufen und dabei piepsen oder zwitschern, suchen ihre Mutter. Das ist kein Spaziergang, das ist ein Hilferuf.
  • Erst beobachten, dann eingreifen. Ein oder zwei Stunden aus der Distanz zuschauen, ob die Mutter kommt. Kommt sie, ist das Nest der beste Platz auf der Welt – besser als jede Pflegestelle.
  • Bleibt sie weg, zählen Stunden. So lange wie hier zu warten war nur möglich, weil jemand wirklich hingeschaut hat. Steht fest, dass die Mutter nicht kommt, gehören die Kleinen warm in eine Box – und dann in fachkundige Hände.
  • Rund 100 Gramm heißt: nicht überlebensfähig. Igelbabys in diesem Gewicht brauchen Aufzuchtmilch in kurzen Abständen, Wärme und Kontrolle. Nie Kuhmilch, nie auf eigene Faust.
  • Nicht jede Geschichte endet gut – und trotzdem geht es weiter. Hero hat es nicht geschafft. Sechs andere haben deshalb umso mehr eine Chance verdient.
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Aus Bärbels Igelstation · 13. September 2026

Es hatte sein ganzes Igelleben noch vor sich

Diese Geschichte ist kurz. Sie dauert einen Tag und eine Nacht – und sie wäre vermeidbar gewesen.

Symbolbild: Ein Igel sitzt im hohen Gras einer Wiese – genau dort, wo Motorsensen und Mähroboter zur Gefahr werden
Symbolbild – hohes Gras ist Igelrevier. Das Foto der Verletzung zeigen wir nur auf Klick.
Nicht überlebt Hinterbein abgetrennt Motorsense / Mähroboter

„Ein glatter, messerscharfer Schnitt.“

am helllichten Tag gefunden – in derselben Nacht gegangen

Ein junges Igelchen hatte sich am helllichten Tag mühsam in den Garten eines Igelfreundes geschleppt. Schon das allein ist ein Alarmsignal: Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist und sich dabei sichtbar quält, ist immer ein Notfall.

Bei der Untersuchung in der Station zeigte sich das ganze Ausmaß der Verletzung. Ein Hinterbein war abgetrennt – durch einen glatten, messerscharfen Schnitt. Keine Bissverletzung, kein Unfall mit einem Auto. So etwas macht eine Klinge.

Was genau geschehen ist, lässt sich nicht mehr beweisen. Aber die Hinweise sind eindeutig: Zwei Tage zuvor waren im Nachbargarten Motorsensengeräusche zu hören, in einem weiteren Garten fährt ein Mähroboter.

Das kleine Igelchen verstarb noch in derselben Nacht. Zwischen dem Schnitt und dem Tag, an dem es gefunden wurde, lagen zwei Tage – zwei Tage, die es mit dieser Verletzung allein überstehen musste. Es hatte sein ganzes Igelleben noch vor sich.

Bitte schaut nach, bevor ihr mäht. Ein Blick ins hohe Gras kostet nichts.

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Sensibler Inhalt: Das Foto der Verletzung zeigen wir nur auf Klick – du entscheidest, ob du es sehen möchtest.

Foto der Verletzung ansehen
Nahaufnahme des jungen Igels bei der Untersuchung: Das Hinterbein endet in einer glatten, runden Schnittfläche
Die glatte Schnittfläche am Hinterbein. Genau so sieht es aus, wenn ein Mähgerät einen Igel erwischt – und genau deshalb zeigen wir dieses Bild.

Was du daraus mitnehmen kannst

  • Vor dem Mähen kontrollieren. Hohes Gras, Hecken, Gebüsch und Laubhaufen sorgfältig absuchen – langsam, zu Fuß und mit den Augen, nicht mit dem Gerät.
  • Igel laufen nicht weg. Bei Gefahr rollen sie sich ein und bleiben liegen. Genau das macht Motorsense und Fadentrimmer für sie so tödlich.
  • Mähroboter niemals in Dämmerung und Nacht. Das ist die Zeit, in der Igel unterwegs sind. Tagsüber mähen, nachts abschalten – und die Fläche vorher ansehen.
  • Randbereiche zuletzt und vorsichtig. Unter Hecken, an Zäunen und Mauern liegen die Nester. Dort lieber eine Ecke stehen lassen als einmal zu tief ansetzen.
  • Ein verletzter Igel ist ein Notfall – sofort. Nicht bis morgen warten. Warm, dunkel und ruhig in eine Box, kein Bad, keine Salbe, kein Futter – und dann in fachkundige Hände.
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